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Donnerstag, 8. Juni 2017

VW verklagen

Amtsgerichte entscheiden immer häufiger zugunsten geschädigter VW-Diesel-Kunden, siehe hier und da . Anfang des Jahres hat ein Landgericht einen Händler sogar dazu verdonnert, den mangelhaften Diesel eines klagenden Kunden gegen einen Neu(!)wagen zu tauschen. Besonders interessant: Jetzt lassen sogar die Oberlandesgerichte in Verfahren um Prozesskosten durchblicken, dass sie auf
Kundenseite stehen. So entschied das OLG München im März, dass ein VW-Händler die Verfahrenskosten zu tragen hat:

Es gebe keinen Zweifel, dass der Golf mit der Prüfstandsoftware mangelhaft sei. Diese Mangelhaftigkeit begründet das OLG mit der Gefahr, dass die Betriebserlaubnis erlöschen könne. Daran ändere auch das laufende Software-Update zunächst nichts. Diese Aktion sei als Rückruf wegen eines Mangels zu werten und nicht als Aktion aus Kulanz. Quelle

Seltsam: In den USA kosten die Umrüstungen ~1.000 USD pro Auto, hierzulande werden die Abgase durch ein kleines Plastikteil von < 1 EUR und einem Software-Update (aber angeblich keine negativen Auswirkungen haben soll) sauberer. Warum hat man das dann nicht vorher schon gemacht?

Was aber kaum einer weiß: Mit der Umrüstung ist der Fall für VW erledigt, da ein Gewährleistungsverzicht unterzeichnet werden muss, VW jegliche Garantie ablehnt und damit aus der Sache raus ist. Und wer wartet, erhält entweder ab Juli 2017 keine TÜV-Plakette mehr oder wird 2018 von der Verjährung überrascht und hat keine Ansprüche mehr (siehe auch hier). Ein feiner juristischer Trick, mit dem VW seinen Kunden die Wahl zwischen Cholera und Pest überlässt und sich sämtlichen Schadensansprüchen entzieht. Den Schaden (Fahrverbot, Fahrzeugstilllegung, Wertverlust) hat der Kunde. Kein Wunder also, dass Anwälte meinen: Klagen, noch dieses Jahr!

Samstag, 8. April 2017

Diesel hat keinen CO₂-Vorteil mehr gegenüber Benziner

Der Diesel wurde bisher gerne als sehr effizient und als unverzichtbar bei der Einhaltung von CO₂-Vorgaben proklamiert. Verfechter des Diesels sprechen von Wirkungsgraden jenseits der 30 %. Das mag im Volllastbereich unter optimalen Bedingungen zutreffen, angesichts der Tatsache, dass die Motoren immer größer werden und daher immer seltener mit Volllast und nie unter idealen Bedingungen gefahren werden, lässt sie das wesentlich ineffizienter dastehen, als viele glauben. Autos mit Verbrennungsmotoren sind fahrende Heizungen, da mehr als 85 % der Energie im Tank ungenutzt in die Umwelt verpuffen. Horst Lüning hat das schon vor Jahren detailliert vorgerechnet:



Ich habe meinen eigenen Vergleich anstellt. Mittels spritmonitor.de habe ich mir ein gängiges Fahrzeug, welches bereits seit Jahren hergestellt wird und sowohl als Diesel als auch als Benziner verfügbar ist, herangezogen:

  • VW Golf
  • Baujahre 1990 bis 2016
  • 100 bis 150 PS
  • Schaltgetriebe
  • mindestens 1.500 km eingetragene Fahrleistung
Nun habe ich mir je Baujahr Zahl der PKW und deren Durchschnittsverbrauch aus [1] in einer Tabelle notiert. Von 1990 bis 1996 liegt die Zahl der erfassten Benziner im unteren einstelligen Bereich. Diesel sind teilweise gar keine erfasst, sodass ein Vergleich erst ab 1997 wirklich aussagekräftig ist. In meinen folgenden Ausführungen werden also die vergangenen 20 Jahre betrachtet. Die Diagramme basieren also auf realen Verbrauchswerten. Die Linien stellen jeweils einen gleitenden  Durchschnitt über 5 Einzelwerte dar. Absolute Werte sind an der linken Ordinate abgetragen, relative an der rechten. Blau ist immer der Benziner, rot der Diesel, grün das äquivalente Elektroauto. Gelb wird das Verhältnis von Diesel zu Benziner oder umgekehrt dargestellt. 

Spritverbrauch


Es fällt auf, dass der Dieselverbrauch der Modelle der vergangenen 20 Jahre nahezu unverändert bei um die 5,7 l pro 100 km liegt, während der Benzinverbrauch von ca. 8,3 auf 6,5 l um ca. 19 % gesunken ist. Ich meine, der Diesel ist "zuendeentwickelt", während beim Benziner durchschnittlich 1 % Ersparnis pro Jahr erreicht wurde.

Jetzt höre ich schon wieder die Kritiker: Aber der Diesel ist trotzdem ökologischer und sparsamer, denn er verbraucht ja weniger Liter. Schauen wir's uns an:

CO₂-Bilanz

  • bei der Verbrennung von 1 Liter Benzin entstehen 2,33 kg CO2
  • bei der Verbrennung von 1 Liter Diesel entstehen 2,64 kg CO2
Aha, also erzeugt 1 Liter Diesel sogar mehr CO₂ als Benzin. Kombiniert mit dem Verbrauch ergibt sich folgender Ausstoß pro gefahrenem km:


Hier sieht man, sehr schön, dass der CO2-Ausstoß des Diesels seit 20 Jahren konstant bei ca. 150 g/km liegt, während der Benziner seinen Ausstoß von 200 auf unter 160 g/km reduziert hat. Ok, der Diesel liegt noch leicht vorn, doch der Vorteil ist im Jahr 2016 auf unter 4 % geschrumpft. Ich habe das Verhältnis von Diesel zu Benziner als gelbe Linie dargestellt. Man sieht, dass sie gegen 100 % geht.

Zusätzlich habe ich mit der grünen Linie den Ausstoß eines Elektrofahrzeugs mit 16,6 kWh/100 km Stromverbrauch aufgetragen, wenn der Strom aus dem aktuellen, deutschen Strommix mit 535 g CO2 je kWh erzeugt wird. Das Elektroauto erzeugt dabei ca 90 g je km, ist also immer noch fast doppelt so gut wie jeder Verbrenner. Erzeugt man den Strom regenerativ, verbessert sich die Bilanz weiter.

Sowohl bei den Verbrennern als auch bei den Elektroautos habe ich der Einfachheit halber die Lieferketten außer Acht gelassen. Würde man diese einbeziehen, würde sich bei allen Antriebsarten die Bilanz verschlechtern - irgendwie muss die Energie von der Quelle ins Auto. Dabei entstehen natürlich weiterhin teils massive Verluste.

Aber der Diesel ist doch so effizient...

Energiebilanz

Naja, er ist immer noch etwas effizienter als der Benziner, gemessen an einem Elektroauto jedoch ein absoluter Verschwender:



Wie schon geschrieben hat der Benziner in den letzten Jahren deutlich aufgeholt, sicher nicht zuletzt dank Direkteinspritzung und Downsizing. Er hat ihn fast eingeholt und der Stromer ist in jedem Fall mindestens 3x so effizient, da er mit nur 30 % der Energie das selbe (und dazu mit mehr Fahrspaß und weniger Ausstoß) erreicht. Oder bildlich gesprochen: Ein Tesla Model S mit 85 kWh-Akku braucht für die erzielbaren 500 km das Äquivalent von 8,7 l Diesel, was einem Verbrauch von 1,7 l auf 100 km entspricht. Und da sollen 5,7 l Diesel auf 100 km effizient sein? Lol.

Weshalb der reine Liter-Vergleich von Diesel und Benzin unsinnig ist, zeigt ein weiterer Vergleich:
  • 1 Liter Benzin enthält 9.3 kWh Energie
  • 1 Liter Diesel enthält 9,8 kWh Energie
Wir haben also gelernt: Der bloße Spritverbrauch pro 100 km ist, richtig, nichts sagend!

Aber Diesel ist doch viel günstiger als Benzin.

Spritpreis

Ja, ist er. Noch. Und nur in Deutschland. Ich kenne kein anderes Land, in dem Diesel weniger kostet als Benzin. Würde man ihn nach Energiegehalt bezahlen, wäre Diesel sogar teurer als Benzin. Und: Der Preisvorteil ist in den letzten Jahren von 25 % gegenüber Benzin teilweise auf bis zu 10 % geschrumpft.
Mein Tipp: In der nächsten Legislaturperiode (also nach der Wahl) wird der Preisvorteil des Diesels beschnitten. Was die Politik nach Dieselgate tut, ist auch widersprüchlich: In den 70er Jahren gab sie dem Diesel durch Steuererleichterungen einen Vorteil, nun dämmt sie diesen mit Fahrverboten wieder ein. Wieso Diesel nicht wie Benzin besteuern (oder nach Energiegehalt oder CO2-Ausstoß) und das Problem Stickoxid/Feinstaub ist vom Tisch?

Energiepreis

Um die Treibstoffkosten von Verbrennern mit Elektroautos vergleichen zu können, beziehen wir die Preise von Diesel und Benzin auf die kWh und schauen uns die Preisentwicklung des Stroms an:


Strom ist, energetisch betrachtet fast doppelt so teuer wie fossile Brennstoffe, was sicher auch daran liegt, das Strom eine höhere Energieform ist, die flexibel genutzt, umgewandelt und gespeichert werden kann. Ausschlaggebend für den Preis von bis zu 30 ct/kWh Strom dürfte nicht zu letzt die EEG-Umlage sein. Überhaupt, warum zahle ich EEG-Umlage auf meinen selbst verbrauchten Ökostrom vom Dach, Autofahrer fossil getriebener Mobile aber nicht auf ihren Treibstoff, welcher, unser Klima belastet? Aber das ist ein anderes Thema.

Treibstoffkosten pro km

Kombiniert man Spritverbrauch und Energiekosten, erhält man den Preis, den ein gefahrener Kilometer kostet:


Auf Grund der Reduktion des Benzinverbrauchs und dem sinkenden Preisvorteil von Diesel hat sich das Verhältnis von Diesel zu Benziner von 50 % auf über 70 % zu Gunsten des Benziners verschoben. Trotz des hohen Strompreises bleibt der gefahrene km mit ca. 5 ct gemessen am aktuellen, deutschen Strommix auf Grund des sehr hohen Wirkungsgrades deutlich unter den Preisen der Verbrenner.

Wer mag kann meine Berechnungen prüfen, indem er sich das LibreOffice-Calc-Dokument herunterlädt.

Fazit

Der Diesel hat deutlich an Attraktivität verloren, sowohl preislich als auch ökologisch. Der Benziner hat aufgeholt. Der Diesel wird im PKW noch vor dem Benziner an Bedeutung verlieren. Nicht zu letzt wegen der höheren Komplexität (höhere Verdichtung, höherer Drücke, höhere Temperaturen, höherer Verschleiß) und des nicht gelösten Feinstaubproblems.

Alle Autos belasten die Umwelt, das eine mehr und das andere noch mehr ;-) Am ökologischsten und günstigsten ist jeder Kilometer, der gar nicht oder mit dem Fahrrad gefahren wird.

Donnerstag, 23. März 2017

Heizung: Heizkurve


Lange experimentiert habe ich auch mit der richtigen Heizkurve. Sie beschreibt die Abhängigkeit der Vorlauftemperatur von der Außentemperatur. Je kälter es draußen ist, desto mehr muss geheizt werden. Die ins Haus eingebrachte Energiemenge ist quasi das Produkt aus Temperatur und Laufzeit. Je höher die Temperatur und je länger die Laufzeit, desto mehr Wärme im Haus.


An jeder Heizung lässt sich die Heizkennlinie mittels Neigung und Niveau einstellen, wobei quasi
  • Neigung = Dämmstandard – je besser gedämmt, desto kleiner die Neigung
  • Niveau = generelles Temperaturniveau im Haus.
Die Heizkurve kann ebenfalls nur experimentell ermittelt werden, da sie für jedes Haus individuell ist. Um die Effizienz der Wärmepumpe zu maximieren, muss die Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich gewählt werden, dennoch muss sie so hoch sein, dass das Haus warm wird – und das bei jeder Außentemperatur/Witterung. Für gut gedämmte Häuser werden Neigungen von 0,2 bis 0,4 empfohlen, was bedeutet, dass die Vorlauftemperatur 2 bis 4 K bei 0 °C Außentemperatur höher sein muss als bei 10 °C.


Unser Haus ist so gut gedämmt, das die kleinste Neigung von 0,1 ausreichend ist. Eigentlich müsste sie noch etwas kleiner (ca. 0,8 - 0,9) sein, da es bei sehr niedrigen Außentemperaturen im Haus immer ein Tick zu warm und bei vergleichsweise hohen Außentemperaturen etwas zu kalt ist. Niveau habe ich um 2 K angehoben.

Die in den Heizungen dargestellt, lineare Heizkurve ist eine vereinfachte, bei der die Raumsolltemperatur unberücksichtigt bleibt. Die tatsächliche Formel, die intern zur Berechnung verwendet wird lautet:

Vorlaufsolltemperatur = Neigung 1,8317984 * (Raumsolltemperatur - Aussentemperatur)^0.8281902 + Niveau + Raumsolltemperatur

Genau wie die Einstellung der Neigung in 0,1er Schritten ist die Einstellung des Niveaus in 1 K-Schritten für unser Haus zu grob. +2 K ist generell zu warm und +1 K zu kalt. Hier musste ich leider tricksen: Bei unserer Heizung gibt es die Möglichkeit, die gemessene Außentemperatur in 0,1er Schritten im Bereich -5 bis +5 K zu korrigieren. Nun gebe ich der Heizung vor, dass es draußen 5 K wärmer wäre, was in Zusammenhang mit der Neigung von 0,1 ein Absenken der Vorlauftemperatur um 0,5 K (0,1 * 5 K) zur Folge hat. Ja, dieses halbe K macht sich tatsächlich bemerkbar. Genauso hätte man mit dem Niveau von +1 K und einer Korrektur der Außentemperatur von -5 K fahren können, wobei, wie man im Diagramm zieht, die tatsächliche Kurve etwas anders wäre, da die Übertragung Außentemperatur → Vorlauftemperatur nicht linear ist.

Unsere Viessmann-Heizung funktioniert Rücklauf-gesteuert, d. h., sie misst permanent die Rücklauftemperatur. Unterschreitet diese abzüglich der Einschalthysteres (von 2 K) die Vorlaufsolltemperatur, springt die Heizung an und arbeitet so lange, bis die Vorlaufsolltemperatur plus Ausschalthysterese (von ebenfalls 2 K) erreicht ist. Also z. B.:

Außentemperatur -2 °C → Vorlaufsolltemperatur 25,0 °C

  • bei Rücklauftemperatur < 23,0 °C schaltet sie ein
    (25,0 °C - 2 K Einschalthysterese)
  • bei Rücklauftemperatur > 27,0 °C schaltet sie ab
    (25,0 °C + 2 K Ausschaltysterese)

Die tatsächliche Vorlauftemperatur, die die Wärmepumpe erzeugt wird um die Spreizung (angestrebter Temperaturutnerschied zwischen Vor- Rücklauf) von 5 K angehoben. Also Wärmepumpe bei -2 °C Vorlauftemperaturen von

  • 28 °C beim Einschalten (25 °C - 2 K + 5 K)
  • 32 °C beim Ausschalten (25 °C + 2 K + 5 K)

Seitens der Hersteller gab es Überlegungen, geringere Spreizungen (2 K) zu nutzen, was allerdings auf Grund einer geringeren Differenz zur Umgebungstemperatur zu einer schlechteren Wärmeabgabe mit längeren Laufzeiten führt und zu Lasten der Effizienz geht. 5 K scheinen hier branchenweit Standard zu sein.
Die Hysteresen sind notwendig, damit die Wärmepumpe nicht permanent ein- und ausschaltet. Geringere Hysteresen würden zwar zu einem exakteren Erreichen der Vor-/Rücklauflauftemperatur führen, aber eben auf Kosten der Lebenserwartung des Verdichters gehen, da mehr Ein-/Ausschaltvorgänge erfolgen würden.

Freitag, 3. März 2017

Heizung: Hydraulik

Unerlässlich für ein angenehmes Raumklima und einen effizienten Heizungsbetrieb ist der hydraulische Abgleich. Sprich, für jeden Heizkreis muss der Durchfluss an den Bedarf angepasst werden. Üblicherweise wird der hydraulische Abgleich anhand errechneter Werte vom Heizungsfachmann eingestellt. Die ist jedoch nur als grobe Näherung zu verstehen, denn jedes Gebäude reagiert individuell. Einflüsse wie

  • Sonneneinstrahlung
  • interne Wärmequellen wie Personen, elektrische Geräte
  • Wärmeeintrag angrenzender Räume
  • Wärmeverluste, z. B. durch Lüften mit dem Fenster
  • gewünschte Raumtemperatur
können nur bedingt in der Berechnung berücksichtigt werden.

Also auch hier wieder selbst Hand angelegt. Auch diese Optimierung bedarf viel (!) Geduld. Zudem sollte der Abgleich durchgeführt werden, wenn der Wärmebedarf am größten, sprich es draußen über längere Tage sehr kalt und kaum Sonneneinstrahlung vorhanden ist. Erst bei niedrigen Temperaturen und ohne fremden Energieeintrag machen sich Unterschiede deutlicher bemerkbar als in der Übergangszeit.

Bevor mit dem Einstellen begonnen wird, sollte die Hocheffizienzumwälzpumpe vom Heizungsfachmann auf die benötigte Leistung eingestellt werden, da eine Änderung der Gesamtdurchflussmenge auf Grund von Reibung im System (Wasser an Rohr) die Verhältnisse der Durchläufe untereinander nicht proportional verändert. Eingestellt wird der Durchfluss an den Durchflussmengenbegrenzern am Vorlauf der Heizkreise. Diese 'Hütchen' haben eine Skala für den aktuellen Durchfluss (hier Liter pro Minute), welcher sich durch sehr vorsichtiges Drehen des roten Aufsatzes verändern lässt.

Man sollte langsam und behutsam vorgehen, da es ein bis zwei Tage dauern kann bis sich die Änderungen auswirken. Zudem ändert man beim Auf-/Zudrehen eines Begrenzers stets den Durchfluss aller anderen, da sich die Druckverhältnisse im System ändern.

Das hat mich etliche Wochen gekostet. Mal war es hier zu kalt, mal dort zu warm, aber nach drei Monaten hatte ich's dann – dachte ich. Ja, der Abgleich stimmte, doch hatte ich viele Ventile zugedreht, was die Gesamtdurchflussmenge auf ca. 3/4 des ursprünglichen Wertes reduzierte. Das wiederum führte dazu, dass die Wärmepumpe hier Wärme nicht los wurde und die Vorlauftemperatur stieg, was sich mit Sinken der Arbeitszahl um 0,5 bis 0,8 rächte. Also das Ventil mit dem größten Durchfluss rausgesucht und schließlich voll aufgedreht. Die anderen Ventile proportional geöffnet und schließlich feinjustiert.

Langer Weg, doch nun haben alle Räume bei jeder Außen- die gewünschte Raumtemperatur und die Wärmepumpe arbeite mit maximaler Effizienz.

Heizung: Einzelraumregelung mit Stellantrieben

Mittlerweile haben wir den ersten Winter im Haus verbracht. In den Wintermonate habe ich versucht, die Heizung optimal einzustellen. Das erfordert viel Geduld, denn das thermische System 'Haus' reagiert sehr träge. Anfänglich habe ich zu viele Parameter in zu kurzer Zeit verändert und konnte dann die Wirkungen den Ursachen nicht mehr zuordnen. Doch der Reihe nach.

Schaut man sich einen Heizkreisverteiler an, findet man Vorlauf (warm) und Rücklauf (kalt) samt Absperrventilen und je Heizkreis einen Durchflussmengenbegrenzer, Differenzdrucküberströmventil und einen Stellantrieb:

Aufbau eines Heizkreisverteilers

Stellregeler mit Sichtfenster
Bei uns wurden im gesamten Haus 8 Einzelraumregelungen (ERR) Uponor Vario PLUS Thermoantrieb Pro 230V verbaut, da die EnEV 2014 § 14 dies so vorschreibt:

(2) Heizungstechnische Anlagen mit Wasser als Wärmeträger müssen beim Einbau in Gebäude mit selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur raumweisen Regelung der Raumtemperatur ausgestattet werden

Sinn dahinter ist, den Räume nur so weit wie notwendig und nicht unnütz aufzuheizen. Allerdings sind die Dinger bei einer Fußbodenheizung (FBH) aus mehreren Gründen völlig unnütz:



  1. Stromverbrauch Was mich am meisten stört: Jeder Stellantrieb benötigt im geöffnetem Zustand ~ 3 W. Hier stimmen die Herstellerangaben mit den gemessenen Werten überein. Klingt erstmal nicht viel, macht aber 8 x 3 W = 24 W – Sommer wie Winter. Das wären bei permanent geöffneten Ventilen unglaubliche 210 kWh pro Jahr! Die Ventile sind ähnlich denen, klassischer Heizkörper: Ohne Thermostat/Stellantrieb immer offen, da eine Feder den Stift nach außen drückt und das Ventil öffnet. Stromlos drückt wahrscheinlich eine stärkere Feder im Stellantrieb gegen die schwächere im Ventil und schließt es damit. Soll der Stellantrieb öffnen, wird die stärkere Feder des Stellantriebs unter Einsatz elektrischer Energie wieder zurückgezogen. Drei verschiedene Kräfte, die gegeneinander wirken. Was für ein Unsinn. Die Stellantrieb benötigen also 3 W für etwas, was auch ohne Krafteinwirkung (offen halten) klappt. Ok, im ersten Schritt könnte man die Dinger im Sommer einfach zudrehen – wenn man daran denkt. Ansonsten sollen Sie ja nur offen sein, wenn es im Raum zu kalt ist.
  2. Hysterese Unabhängig vom Stromverbrauch haben die Raumthermostate neben der Tür eine Hysterese von 1 K, was ziemlich ungenau ist (Klack, klack). Selbst wenn man die Einstellung ändern würde, würde es auf Grund der Trägheit des Systems Stunden dauern bis es wärmer/kälter wird.
  3. Heizungsteuerung Zudem sind sie bei einer Fußbodenheizung völlig überflüssig, da die Heizung witterungsgeführt arbeitet. D. h., die Vorlauftemperatur wir anhand von Außen- und gewünschter Raumtemperatur berechnet. Optimalerweise wird nur genauso viel Wärme erzeugt, wie benötigt wird. Damit eine ERR überhaupt abregeln kann, muss die Vorlauftemperatur hoch genug sein, um einen Raum potenziell überhitzen zu können. Sind dann einige Räume per ERR abgeregelt (zu), ist das im Prinzip wie Gas geben und Bremsen zugleich. Es wird dazu führen, dass die Heizung stärker taktet, da die Durchflussmengen in den Heizkreisen sinkt und die Soll-Rücklauftemperatur schneller erreicht ist. Und, durch die höhere Vorlauftemperatur sinkt die Arbeitszahl (Effizienz) der Wärmepumpe, da das Angebot an Wärme die Nachfrage übersteigt.
  4. Selbstregelungseffekt Weiterhin kommt hinzu, dass sich die Wärmeabgabe selbst reguliert. In kalten Räumen ist die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf- und Raumtemperatur größer, somit kann die Wärme schnell abgegeben werden. In schon warmen Räumen wird dagegen nicht so viel geheizt, da die Differenz kleiner ist. Scheint beispielsweise Sonne in einen Raum, wird er wärmer und kann gar nicht mehr viel Wärme aufnehmen. Es sei denn, die Vorlauftemperatur ist zu hoch.
  5. Differenzdruckübeströmventil Da es ja nun passieren kann, dass viele oder alle ERR abregeln, kann die Heizung nicht mehr sinnvoll feststellen, ob Wärme benötigt wird oder nicht. Daher wird besagtes Ventil benötigt, welches ab einem definierbaren Druck (wenn zu viele ERR abregeln) öffnet und somit Vor- und Rücklauf kurzschließt. Rücklauftemperatur steigt, Heizung schaltet ab (Bremsen und Gas geben). Wenn permanent alle Heizkreise offen sind, kann es nicht dazu kommen, dass der Durchfluss 'abgewürgt' wird. Ein falsch eingestelltes (zu weit geöffnetes Überströmventil kann dazu führen, dass permanent latent Vorlauf direkt zum Rücklauf wandert, die Räume nicht richtig warm werden und die Heizung stärker taktet.
Differenzdrucküberströmventil mit einstellbarem Überströmdruck
Raumthermostat

Also Stellregler von den Ventilen gezogen, Raumthermostate und Differenzdrucküberströmventil zugedreht.

Da man ja nun keine Möglichkeit mehr hat, die Temperatur in den Räumen individuell zu regulieren, ist es zwingend erforderlich, die Hydraulik abzugleichen. Dazu im nächsten Artikel mehr.

Zu Sinn oder Unsinn der Einzelraumregelung gibt es auch an anderen Stellen ähnliche Ansichten:
http://www.bosy-online.de/Einzelraumregelung-ja-oder-Nein.htm
http://www.heizungsbetrieb.de/de/err.html

Samstag, 30. Januar 2016

meine Erfahrungen mit Cyberport

Der Fall

Am 08.10.15 habe ich ein Galaxy S4 mini Value Edition online für 189 € gekauft und am 09.10.15 im Shop abgeholt. 2 Monate später ist auf allen Fotos ein schwarzer Fleck an der selben Stelle - vermutlich Staub auf dem Sensor. Putzen hilft nicht.



Laut § 439 BGB hat der Käufer im Gewährleistungsfall die Wahl zwischen Nachbessern (Reparieren) und Nachliefern (neues Gerät). Voraussetzung ist, dass das eine nicht im groben Missverhältnis zum anderen steht. Logisch.

Aussage im Laden: Ich müsse das Telefon an einen Reparaturdienstleister schicken, was ca. 4-6 Wochen dauern würde. Gleiche Aussage per E-Mail. Falsch! Auf Grund des Kaufvertrages ist Cyberport in der Gewährleistungspflicht und nicht der Hersteller oder ein Dienstleister. Das stellt Cyperport stets vollkommen anders dar! Auch online an anderen Stellen kann man lesen, dass es bei Cyberport gängig Praxis ist, den Kunden an Hersteller oder Dienstleister zu verweisen, um sich nicht um Reklamationen kümmern zu müssen.

Da eine Reparaturdauer von 4 Wochen bei einem so kurzlebigen Alltagsgegenstand unverhältnismäßig und nicht im Sinne des Kundenservices ist, habe ich mich für Nachliefern entschieden. Auch hier erhielt ich vom Kundenservice die Aussage, dass der Verkäufer bestimmt, wie zu verfahren ist. Falsch! Prinzipiell entscheidet der Kunde!

Also schrieb ich per Einschreiben/Rückschein an Cyperport und bat mit einer First von 3 Wochen um Nachlieferung. Brief kam an. Da ich nach 4 Wochen keine Reaktion (Post, E-Mail, Telefon) auf meine Bitte erhielt, habe ich in einem 2. Brief eine Nachfrist gesetzt und drohte vom Kaufvertrag zurückzutreten. Nun sah man sich gezwungen zu antworten und berief sich per E-Mail (Für's Briefporto hat's wohl nicht mehr gereicht?) auf Unverhältnismäßigkeit ohne dies konkret und nachprüfbar darzulegen. Dabei bat ich in beiden Briefen explizit darum.

Ok, Cyberport hat gewonnen, mich und meine Familie als Kunden sowie deren Umsätze aber dauerhaft verloren. Rechtsstreitigkeiten sind bei dem Kaufpreis sinnfrei. Das weiß auch Cyberport. Werde das mangelhafte Gerät behalten, nie wieder bei Cyberport einkaufen, Freunden, Kollegen und Familie von meinem Fall berichten, was Kundenservice bei Cyberport bedeutet.

Mag sein, dass das alles rechtens ist, doch so geht man nicht mit Kunden um. Liest man die negativen Bewertungen auf idealo.de, fällt auf, dass Cyberport im Gewährleistungs- bzw. Garantiefall stets versucht, sich vor den gesetzlichen Pflichten eines Verkäufers zu drücken und die Kunden an Hersteller und Reparaturdienstleister verweist. Wenn man gewollt hätte, hätte man das Gerät tauschen können, laut Webseite war es immer im Laden verfügbar.

Übrigens, mit meinem vorherigen Smartphone, welches ich leider ebenfalls bei Cyberport gekauft habe, landete ich 2013 in der Rubrik "Vorsicht Kunde" in der c't. Ich bereue es, wieder Cyberport gekauft zu haben, da sich am Geschäftsgebaren nichts geändert hat.

Bewertungen bei idealo.de

Sehr verdächtig finde ich, dass am 27.01.2016 auf meine und eine weitere negative Bewertung bei idealo.de noch am selben Tag 39 positive folgen und in der Vergangenheit selten mehr als 5 Bewertungen pro Tag veröffentlicht wurden - manche Tage nicht eine. Blättert man etwas zurück, fällt weiterhin auf, dass auf eine negative Bewertung noch am selben Tag stets mehrere positive folgen. Sehr merkwürdig - zumal Leute eher dazu neigen, sich zu beschweren als Lob auszusprechen.

Fazit

Nie wieder Cyberport!, da dieser Laden nach dem Motto "Verkauft und Vergessen" handelt. So möchte man als Kunde nicht behandelt werden. Das nächste mal lieber wieder bei Amazon bestellen, 5 % mehr ausgeben und echten Kundenservice erfahren, falls es mit einem Artikel doch mal Schwierigkeiten gibt. Gerade dann merkt man, was Kundenservice bedeutet.

Cyberport gehört übrigens dem größten, deutschen Medienkonzern (Hubert Burda Media).

Dienstag, 7. Mai 2013

JPEGmini für Windows

Mit JPEGmini kann man Fotos im jpeg-Dateiformat ohne optische Verluste verkleinern. Möglich macht dies ein spezieller Algorithmus, der die Fotos optisch analysiert und anschließend das optimale Kompressions-verhältnis wählt. Bisher ging das nur online, seit heute gibt es ein Programm für Windows, mit welchem man die Fotos offline verkleinern kann. D. h., es geht viel schneller und man muss sich keine Gedanken darum machen, wo die eigenen Fotos sonst noch im Internet landen. JPEGmini für Windows kostet ca. 20 Euro und kann auf bis zu fünf Rechnern installiert werden. Eine Testversion soll in einigen Wochen zum Download bereit gestellt werden. Ich habe es mir allerdings gleich gekauft und ausprobiert, da ich von Anfang an vom Algorithmus begeistert war und keinerlei optische Beeinträchtigungen erkennen konnte.

Nach dem Kauf erhält man einen Link zum Herunterladen des Programms. Für die Installation ist das .NET Framework von Microsoft in der Version 4 notwendig, welches automatisch mit installiert wird. In meinem Fall war danach ein Neustart nötig und anschließend wurde das eigentliche Programm installiert. Die Handhabung ist super einfach: Man zieht einfach Fotos oder ganze Ordner per Drag and Drop in das Programm, welches die Fotos dann optimiert und (Achtung!) die Originale überschreibt. Das klappt auch, wenn man mehrere Ordner oder Ordner mit Unterordnern auswählt. Das Berechnen geht recht fix, da die Anwendung Mehrkern-CPUs optimal nutzt. Ein Ordner mit 2071 Fotos (6 Megapixel) wurde von 2716 auf 1562 MB (57,5 % der Ausgangsgröße) verkleinert, also grob die Hälfte verkleinert.

Alles in allem eine klare Kaufempfehlung! Wer sich vorher überzeugen möchte, kann ein paar Fotos auf der Webseite verkleinern lassen.

Freitag, 15. Juni 2012

Behörden mal schnell

Als ich mich Ende des Monats ummeldete, wollte ich eigentlich gleich meinen Internationalen Führerschein beantragen, da es ja bekannterweise immer mehrere Wochen dauert, bis man ihn dann schlussendlich in den Händen hält. Jedoch teilte man mir mit, dass das Bürgeramt dafür nicht zuständig sei, sondern die Kfz-Zulassungsbehörde.

Also habe ich Anfang der Woche online einen Termin vereinbart und bin heute morgen hingefahren: Ich wurde pünktlich 8:35 Uhr aufgerufen und überreichter der Bearbeiterin alle notwendigen Dokumente. Sie gab mir eine Zahlkarte und während ich draußen bezahlte, stellte sie den Ausweis aus. Um 8:41 Uhr war die Sache erledigt – nach nicht einmal 10 Minuten hielt ich meinen Internationalen Führerschein in den Händen. Toll!

Dies funktioniert, da die Behörde direkt auf den Datenbestand in Flensburg zugreifen kann. Die Bearbeiterin meinte, dies würde sich so manche Behörde "drüben" wünschen.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Ethernet, IP und TCP erklärt

Heute habe ich ein sehr schönes Video erhalten, welches die Funktionsweise von Ethernet und TCP/IP recht gut bildlich darstellt. Grafisch zwar nicht das neuste, dennoch sehr anschaulich:

Dienstag, 27. September 2011

Seitenladezeit im Browser messen

Da der Seitenaufbau bei uns im Unternehmen im Vergleich zu daheim gefühlt Ewigkeiten dauert, war ich auf der Suche einer Möglichkeit, die Ladezeit browserunabhängig zu prüfen. Also schieden sämtliche Online-Tools, welche die Seite zu ihrem Server übertragen, aus. Zudem wollte ich die Ladedauer mit allen Abhängigkeiten (eingebetteten und nachgeladenen Elementen) messen. Fündig wurde ich bei webwait.com, dieser Dienst lädt beliebige Seiten und ermittelt aus mehreren Messungen Durchschnitt und Median.

In diesem Zusammenhang kann übrigens GRC's Domain Name Speed Benchmark interessant sein, um einen möglichst schnellen DNS-Server für das eigene System auszuwählen und nicht den Provider-Standard-DNS-Server zu verwenden.

Dienstag, 16. August 2011

Festplatte sicher löschen

Es war an der Zeit, einen alten Laptop auszu-rangieren. Nun weiß jeder, dass es mit "einfach löschen" und "Papierkorb leeren" nicht getan ist, da sich die Daten dann dennoch wieder-herstellen lassen. Gut, es gibt Tools wie den Crap Cleaner, die freien Speicherplatz überschreiben und gelöschte Daten somit unwiederbringlich löschen. Doch was, wenn man nicht nur den freien Speicherplatz sicher löschen möchte, sondern die ganze Platte? Ganz einfach ging es mit freien unter GNU lizenzierten Darik's Boot And Nuke (DBAN): Einfach das 10 MB große Image auf eine CD brennen und damit booten. Den Rest erledigt das Mini-Linux. Bei meiner 160 GB-Platte dauerte es ca. drei Stunden und geschah unbeaufsichtigt.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Aquariumleuchtmittelvergleich

Nachdem ich recht viel über verschiedene Leuchtmittel für Aquarien gelesen hatte und eine LED-Beleuchtung aus wirtschaftlichen Gründen ausschied, entschloss ich mich nach Vergleich diverser Hersteller, Lampentypen und Lichtfarben, zwei neue Röhren für mein Juwel Rekord 800 zu kaufen. Das Ergebnis seht ihr unten. Die vom Aquarium gemachten Fotos entstanden bei 50 mm, 1/90 s, F5,6, ISO 2000 und mit dem Weißabgleich "Sonne", also alle unter gleichen Bedingungen. Die Röhren mussten jeweils einige Minuten warm werden, um Betriebstemperatur zu erreichen.

Aufbau Juwel (Originalbestückung)
vorne: Day-Lite 18 W, T8
hinten: Warm-Lite 18 W, T8
Leistungsaufnahme inkl. Vorschaltgerät: 42 W

Aufbau Philips
vorne: Philips Master TL-D 18W/865 Super 80, T8, 6500 K, 1300 lm, 5,99 €
hinten: Philips Master TL-D 18W/840 Super 80, T8, 4000 K, 1350 lm, 6,99 €
Leistungsaufnahme inkl. Vorschaltgerät: 38 W

Der Vergleich
     Juwel mit Reflektor           Philips mit Reflektor
Juwel ohne Reflektor Philips ohne Reflektor


Schaut man sich die Röhren in der ersten Zeile an, fällt zum einen auf, dass die Juwel-Warm-Lite-Röhre vermutlich eine 827er-Röhre ist und wenig, dafür aber warmes Licht bringt. Auch die schwarzen Enden zeugen von einigen Starts und einem Jahr Gebrauch mit täglich elf Betriebsstunden.

In der zweiten Bildreihe ist deutlich sichtbar, dass die Leuchtmittel von Philips das Becken besser ausleuchten. Der Bodengrund mit seinem grauen Kies strahlt heller. Dabei ist die gemessene Leistungsaufnahme mit 38 Watt um 4 Watt geringer als bei der Juwel-Bestückung. Die Lichtfarbe ist etwas blauer geworden, der Gelbanteil gesunken, wodurch die Tetraneons besser zur Geltung kommen und die Pflanzen grüner wirken. Auffällig ist, dass die Photosynthese der Pflanzen angeregt wird, woraufhin sie anfangen, Bläschen zu bilden.

Die dritte Bildreihe zeigt das Becken ohne Reflektor. Auch hier wird deutlich, dass die Investition in Reflektoren lohnenswert ist. Im Kreuzvergleich zeigt sich, dass der Aufbau mit Philips-Röhren ohne Reflektor heller ist, als der Juwel-Aufbau mit Reflektoren.

Fazit: Gegenüber der Standardausführung besteht viel Optimierungspotenzial, was sich nicht nur in einem besser ausgeleuchteten Becken, sondern auch beim Stromverbrauch und somit langfristig im Geldbeutel bemerkbar macht. Reflektoren sind Pflicht, neue Röhren lohnen sich ebenso. Warten wir ab, wie sich Pflanzen und Algen entwickeln.

Sonntag, 6. Februar 2011

E10 tanken oder besser nicht?

Auf der Suche nach Informationen, ob das neue Benzin E10 für meine Fahrzeug geeignet ist, bin ich auf die Seite der Deutschen Automobil Treuhand GmbH gestoßen. Dort wird eine PDF zum Download angeboten, in der die Verträglichkeit des neuen Benzins getestet wurde. Leider sind die Aussagen recht pauschal und zu meinem Fahrzeug wird gar keine Aussage getroffen. Der ADAC informiert auf seiner Internet-Seite zusätzlich zu diesem Thema.



Grundsätzlich sollte man wissen, dass das neue Benzin statt 5 % nun 10 % Bioethanol enthält. Bioethanol hat eine geringer Energiedichte, verbrennt jedoch besser. Dies hat zur Folge, dass der Spritverbauch um ca. 2 % gegenüber "normalem" Superbenzin steigt. Außerdem wirkt Bioethanol insbesondere auf Aluminium korrosiv, sodass Tank, Leitungen, Dichtungen und der Motor beschädigt werden können. Der Gesetzgeber hat geregelt, dass das "normale" Superbenzin (E5) auch weiterhin an allen Tankstellen, an denen E10 angeboten wird, angeboten werden muss.



Für mich bleibt fraglich, ob der der erhöhte Bioethanolanteil sinnvoll ist, denn auch Bioethanol muss angebaut und erzeugt werden. Wenn Bioethanol angebaut wird, wird zwar CO2 gespart, die Umwelt durch weitere Monokulturen allerdings stärker belastet. Vom neuen E10 provitieren wieder nur der Staat und die Ölkonzerne, egal ob man E10 tankt oder nicht. Tankt man es, hat man einen höheren Verbrauch, tankt man es nicht, zahlt man den höheren Literpreis, da E10 mit den (Noch-)Mehreinnahmen und Preissteigerungen von E5 subventioniert wird.

Freitag, 28. Januar 2011

Abgezockt trotz Freeware

Heute wollte ich mir die neuste Version von Open Office herunterladen. Also bei Google nach openoffice gesucht:



Nicht für jeden sofort ersichtlich: Die ersten drei Treffer zeigen auf ein Download-Portal, bei dem man Name und Anschrift hinterlassen soll. Mit dem Akzeptieren der AGB geht man ein 2-Jahresabo ein, welches monatlich 8 Euro kostet (=192). Selbst die auf der rechten Seite von Google schlecht als Anzeigen gekennzeichneten "Treffer" zeigen auf dieses Portal.

Oft reicht schon ein kleiner Vertipper oder eine falsche Schreibweise und man erhält Links zu dubiosen Seiten. Bei solchen "Neppen-Deppen-Bauernfänger-Seiten" kann nur immer wieder gewarnt werden: Keine persönlichen Daten auf Internetseiten angeben, wenn man nichts kaufen oder einen Vertrag abschließen möchte! Bei unbekannten Seiten immer gegenprüfen und mehrere Quellen zu Rate ziehen. Auch Google hilft hier. Im Fall "openoffice" gibt es sehr viele Hinweise darauf, dass es sich um pure Abzocke handelt. Selbst auf der echten Seite von OpenOffice wird gewarnt.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Projekt: Küchenunterbauleuchte

Lange ist's her, da habe ich mir einen Berg LEDs bestellt und angefangen, eine Unterbauleuchte für die Küche zu basteln. Gestern ist sie endlich fertig geworden, was mich ein wenig stolz macht. Es sollten drei Leisten werden. Zwei mit weißen und eine mit weißen und roten LEDs, wobei die LEDs in zwei Reihen angeordnet sein sollten. Die LEDs, die ich bestellt hatte, haben eine Betriebsspannung von weiß 3,0 - 3,2 V und rot 1,8 - 2,1 V und einen Betriebsstrom von jeweils 20 mA, woraus sich eine Leistung von 0,06 bzw. 0,04 Watt ergibt. Damit ich möglichst viele LEDs in Reihe schalten kann, habe ich mich für ein Netzgerät mit 24 V Nennspannung entschieden. Das macht:

weiß: 24 V / 3 V pro LED = 8 LEDs pro Reihe
rot: 24 V / 2 V pro LED = 12 LEDs pro Reihe

Da die Hängeschränke eine Gesamtlänge von 160 cm haben, habe ich mich für eine LED alle etwa 2 cm entschieden, was

10 weiße LED-Reihen à 8 LEDs = 80
7 rote LED-Reihen à 12 LEDs = 84

pro Reihe macht. Nun hat jede Leiste zwei Reihen - das sind pro "weiße" Leiste 160 und für die gemischte (rot & weiß) 80+84=164 LEDs, insgesamt 484 LEDs. Die theoretische Gesamtleistung liegt bei 400 * 0.06 W (weiß) + 84 * 0,04 W = 27,4 W. Soweit zur Elektrik.


Als erstes habe ich drei Leisten auf Länge zugesägt und anschließend die Löcher gebohrt. Eine Akkuladung reichte gerade so für eine Leiste mit ihren 160 Löchern. Im zweiten Schritt mussten die Löcher über einen kleinen Kanal miteinander verbunden werden. Die Zwischenräume habe ich in mühseliger Kleinarbeit mit einem Stechbeitel entfernt und mit Sandpapier glattgeschliffen. Es war eine gewisse Kunst, die Kanäle stets gleich tief zu machen, damit die LEDs alle gleich weit herausragen. Am Ende wurde die komplette Leiste mit feinem Sandpapier glattgeschmirgelt und zum Schutze vor Feuchtigkeit 2x mit Wachslasur gestrichen.

Jetzt ging es an die 500 LEDs, deren Beinchen mit einem Seitenschneider gekürzt und anschließend im rechten Winkel gebogen wurden. Nun konnten Sie zu Ketten von 8 (weiß) bzw. 12 (rot) LEDs verlötet werden. Jede Kette wurde einzeln geprüft. Leider gingen dabei zwei weiße Ketten kaputt, weshalb ich noch zwei weitere anfertigen musste. Alle Ketten sollten parallel geschaltet werden, weshalb jede Menge kurze Drähte von Nöten waren. Jede Kette wurde an die bestehende in der Leiste angelötet und anschließend die komplette Leiste geprüft. Nach und nach füllten sich die Löcher der Leiste mit Lämpchen und es wurde stetig heller. Damit sich die LEDs nach dem Einsetzen in die Leiste nicht mehr bewegen können und es nicht zu Kurzschlüssen kommt, wurden die "Kabelkanäle" mit Acryl verfugt.

Die abschließende Prüfung ergab, dass die LEDs keinen Vorwiderstand benötigen, da die zahlreichen Lötstellen ausreichend Übergangswiderstände aufwiesen. Das hatte zur Folge, dass die Leisten nur ca. 80 % ihrer theoretischen elektrischen Leistung aufweisen. Dies macht sich allerdings kaum in der Lichtausbeute bemerkbar. Im Gegenteil. drei Leisten brachten bei nicht mal 22 W Leistungsaufnahme so viel Licht, dass ich getrost auf eine "weiße" verzichten konnte. Die verbleibenden vier Reihen (3 weiße, 1 rote) auf den beiden anderen Leisten teilte ich in zwei schaltbare Stromkreise auf, wobei mir eine weiße Reihe als immer brennende "Sparflamme" und drei zusätzliche Reihen als Hauptlichtquelle dienen. Die Sparflamme hat eine Leistungsaufnahme von 3,6 W primärseitig. Sind beide Kreise eingeschaltet, ergibt sich ein gemessener Verbrauch von max. 16 W bei einer hervorragend hohen und gleichmäßigen Lichtausbeute. Der farbliche Akzent fügt sich optimal in die rote getaucht Küche. Doch seht selbst:



Noch einmal würde ich solche Lichtleisten nicht bauen. Zum einen hat es sehr lange gedauert und heute gibt es fertige LED-Leisten, die wesentlich schmaler sind. Sie sind zwar ziemlich teuer, aber angesichts des hohen Arbeitsaufwands beim Selbstbau dann irgendwie doch rentabel. Es sei denn, man legt großen Wert auf die Bastelei. Die Materialkosten beliefen sich auf schätzungsweise 70 Euro. Für die übrig gebliebene dritte, weiße Leiste habe ich auch schon ein Plätzchen ausgeguckt.

Samstag, 16. Oktober 2010

WeTransfer - kostenloser 1-Click-File-Hoster

Um große Dateien anderen zur Verfügung zu stellen, haben sich 1-Click-Hoster etabliert, welche es nun wie Sand am Meer gibt. Doch oft ist die maximale Dateigröße auf 100 MB begrenzt, der Up- oder Download langsam oder es nervt einfach die Werbung. Ein recht junger Dienst, der Dateien mit bis zu 2 GB speichert und dazu noch werbefrei ist heißt wetransfer.com. Er ist schlicht gestaltet und besticht dank Flash-Technik auch in Sachen Optik.

Samstag, 3. Juli 2010

Tag 8: Canyonlands National Park

Heute ging es zeitig los. Sechs Uhr standen wir auf, packten unsere Sachen, und frühstückten. Der Dead Horse Point State Park ist kein Nationalpark, sondern ein State Park in Utah, deshalb ist hier, genau wie im Goblin Valley, der Nationalpakrpass nicht gültig. Insgesamt reicht es, wenn man hier einen halben Tag oder so wie wir, eine Nacht verbringt. Nach einem Tankstop in Moab ging es auf der 191 gen Süden direkt weiter, um dann Richtung Needles District in den Canyonland Nationalpark abzubiegen. Hier ist es nicht mehr ganz so unerträglich heiß, zumal stets eine leichte Briese weht. Dennoch ist es warm genug, dass einem das Schweißsalz von den Wimpern fällt. Der Zeltplatz ist sehr großzügig angelegt und lässt sich nicht reservieren, dennoch haben wir einen sehr schönen, schattigen und absolut ruhigen ergattert. Nach Zeltaufbau und einem kurzen Snack ging es dann zum Elephant Hill. Bei der Wanderung am Nachmittag ließ sich leicht erahnen, weshalb dieses Gebiet Needles District (Nadeln) genannt wird: Einzelne, runde Felssäulen, aufgereiht entlang einer Bergkette, schimmern im Sonnenlicht in zwei Farben. Unten sind sie rötlich, der obere Teil ist aus anderem, gräulichen Gesteinsmaterial. Die Felsen sind zwar ähnlich der anderen Parks, aber dennoch ganz verschieden und absolut sehenswert - am besten bei einer Wanderung. Auf Grund der vielen Mücken schreibe ich heute nicht im freien, sondern im Zelt.

Sonntag, 21. März 2010

Test: McKinley X-Treme Light 1000 W

Diese Woche ist der im travel-outdoor-shop für 79,95 inklusive kostenlosem Versand bestellt Schlafsack gekommen. Es ist ein neues Modell (2010) speziell für Frauen. Da ich den Sack noch nicht im Einsatz hatte, kann ich nur über einige Eckdaten berichten:

Mit 203 cm Länge ist er für Personen bis 175 cm Körpergröße mehr als ausreichend. Im oberen Bereich recht breit, kann man bequem die Arme anwinkeln. Bei der Form handelt es sich eher um ein V als um eine Mumie. Meiner Meinung nach hätte er ruhig etwas schmaler sein können, womit man weniger Leerraum im Inneren und somit eine höhere Isolationsfähigkeit erzielt hätte. Positiver Nebeneffekt wären ein paar Gramm weniger Gewicht und ein kleineres Packmaß. Das Gewicht ist mit 1000 g netto recht optimistisch angegeben, mein Sack brachte es mit Packbeutel auf ca. 1100 g. Der Schlafsack besteht aus einem sehr weichen, angenehmen Synthetikmaterial, welches sich wie Mikrofaser anfühlt. Es ist geschmeidig und kratzt nicht. Darin schläft es sich sicher gut. Der Reißverschluss besteht aus zwei Teilen, einem oberen und einem unteren, hat keine spezielle Zugkordel zum Öffnen/Schließen von innen und wird von einer dicken "Polsterwurst" im Inneren abgedichtet, damit keine Wärme entweicht. Der Fußbereich ist dicker als der Rest gedämmt. Gut aufgebauscht wird der Sack recht dick und wärmt sicher gut, ob er für Temperturen ab 5 ° C und darunter geeignet ist, wird sich zeigen, momentan kann ich mir das noch nicht so recht vorstellen, werde es aber ausprobieren. Auf der Innenseite befindet sich eine kleine Tasche für Wertpapiere/persönliche Gegenstände. Die Kappuze und der Kragen werden mit insgesamt einem Gummizug zugeschnürt, was gut klappt - auch von innen.

Neben der guten Verarbeitung gefällt mir das Design und die Farbe. Auch wenn es sich beim Schlafsack um ein Frauenmodell handelt, kann ich ihn problemlos Männern bis 175 cm empfehlen.

11. - 16.04.2010: Luminale in Frankfurt


Alle zwei Jahre, dieses Jahr nun bereits zum fünften mal, findet in Frankfurt im Rahmen der Messe "Light & Building" die Luminale, ein internationales Festival mit bis zu 150.000 Besuchern, statt. Dabei werden Gebäude in buntes Licht und öffentliche Plätze in buntes Licht getaucht. Zusätzlich wird versucht, die Stimmungen mit Musik zu untermalen. Mal wieder ein Grund, nachtaktiv zu werden.

Luminale-Portal
hr-online.de

Freitag, 26. Februar 2010

Petition gegen 720p bei ARD und ZDF HD

Kürzlich wurde eine Pedition für HD im Format 1080i50 bei ARD und ZDF HD eingereicht. ARD und ZDF strahlen ihre Sendungen momentan mit 720p50, also mit 720 Zeilen vertikaler, räumlicher und 50 Vollbildern/Sekunde zeitlicher Auflösung aus. Einige private Fernsehsender strahlen dagegen seit Beginn in höchster räumlicher Auflösung mit 1080 Linien vertikal, dem sogenannten Full HD, dagegen aber nur in Halbbildern (interlaced), aus.

Die aufkommende Diskussion zeigt, dass HDTV trotz jahrelanger Entwicklung noch lange nicht das Potential ausschöpft, das technisch möglich und sinnvoll ist und gegenüber PAL noch mit vielen Tücken zu kämpfen hat. Das betrifft sowohl das Format 720p50 als auch 1080i50. Zwar hat 1080i50 scheinbar eine höhere räumliche Auflösung, verglichen mit echtem, nativem HD im Format 1080p50 ist es aber der gleiche Unfug wie 1080i50. Warum? Ich werde es euch erklären:

HD- wie auch Röhrenfernseher arbeiten mit Netzspannung. Im Europäischen Raum sind das üblicherweise 230 V Wechselspannung bei 50 Hz. Ihre Bildwiederholfrequenzen sind ein Vielfaches dieser Stromnetzfrequenz, also 50, 100 oder 200 Hz. Die Netzfrequenz wird als Grundlage für Anzeigeeinheiten genutzt. Das Menschliche Auge nimmt 20 und mehr Bilder/Sekunde als flüssige Bewegung wahr. Optimal sind jedoch 30 und mehr. Das maximale zeitliche Auflösungsvermögen des menschlichen Auges liegt bei 60-70 Hz, weshalb 200 Hz-Fernseher nur aus verkaufstechnischen Gründen sinnvoll sein können.

Vergleichen wir nun das Produkt aus zeitlichem und räumlichem Auflösungsvermögen der einzelnen Darstellugnsformate - aufgelistet von schlecht nach gut:

natives PAL
Hier werden 50 Halbbilder pro Sekunde übertragen. Das vertikale Auflösungsvermögen liegt bei 625 und unter Berücksichtigung des Kellfaktors von 0,7 bei 437,5 Zeilen, das horizontale lässt sich nicht exakt bestimmen, da es sich um ein analoges Signal handelt, liegt aber bei ca. 780 Spalten.

788 Spalten x 625 Zeilen x 0,7 x (50 / 2) Vollbilder/s = 8,6 Megapixel/s

"digitales" PAL
Hier wird entweder mit 25 Vollbildern oder üblicherweise mit 50 Halbbildern gearbeitet. Das räumliche Auflösungsvermögen ist etwas geringer als bei nativem PAL:

720 Spalten x 576 Zeilen x (50 / 2) Vollbilder/s = 7,3 Megapixel/s

720p50
Dies ist das Format, welches ARD und ZDF einsetzen. Es bietet eine etwas höhere räumliche und die doppelte zeitliche Auflösung gegenüber PAL, was der Bewegungsschärfe bei schnellen Bewegungen zu gute kommt. Nicht zuletzt dürfte Olympia der Grund für 720p50 gewesen sein.

720 Zeilen * 1280 Spalten x 50 Vollbilder/s = 46,1 Megapixel/s

1080i50
Dieses Format wird von den privaten Sendeanstalten benutzt und bietet eine hohe räumliche Auflösung, ist aber hinsichtlich der zeitlichen Auflösung genauso gut/schlecht wie PAL - in Bezug auf die Anzeigeeinheit letztendlich aber schlechter.

1080 Zeilen x 1920 Spalten x (50 / 2) Vollbilder = 51,8 Megapixel/s

An dieser Stelle wird deutlich, dass 1080i50 eine nur unwesentlich höhere räumlich-zeitliche Auflösung hat als 720p50.

1080p50
Die ist der Standard, den jedes Full HD-fähige Geräte nativ beherrscht. D. h., es kann dieses Format ohne Umrechnung, und somit Qualitätsverlust, darstellen - es erreicht die höchste HD-Qualität, wird jedoch bisher nirgends eingesetzt.

1080 Zeilen x 1920 Spalten x 50 Vollbilder = 103,7 Megapixel/s

Geht man davon aus, dass jedes digitalisierte Bild nach dem Whittaker-Kotelnikow-Shannon-Abtasttheorem quantisiert wird, müsste man die Anzahl korrekt aufgelöster Bildpunkte in der Höhe und in der Breite jeweils um den Faktor zwei, in der Fläche also um den Faktor 4 verringern. Demnach hätte ein PAL-Signal mit 8,6 MP/s eine etwas schlechtere Qualität als ein 720p50 bzw. 1080i50-Signal mit ca. 12 MP/s und immerhin noch fast ein Drittel der Qualität eines 1080p50 Signals (25 MP/s).

Ein analoges Fernsehbild betrachtet auf einer analogen Anzeigeeinheit (Braunsche Röhre) ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf in Zeiten von HD geworden ist. Leider ist das PAL-Bild aufgrund von sehr niedrigen Datenraten bei der digitalen Übertragung mit DVB-T in Verruf geraten. Doch betrachten wir nun die Kette von der Akquise bis zur Darstellung auf dem Endgerät:

PAL wird mit 50 Halbbildern/s aufgezeichnet, übertragen und aufgrund des Zeilensprungverfahrens auf einer Röhre auch genau so dargestellt. Es kommt kaum oder gar nicht zu Übertragungs- oder Darstellungsverlusten.

720p50
Um zukunftssicher aufzuzeichnen, wird fast alles Material nur noch mit einer Auflösung von 1080 Zeilen aufgezeichnet. Anschließend wird es von 1080 Zeilen für die Übertragung auf 720 Zeilen eingestampft. Über die Fläche betrachtet bleiben dadurch nur noch 0,9 MP (720 x 1280) / 2,1 MP ( 1080 x 1920) = 44 % übrig. Dargestellt auf den langsam aussterbenden Geräten mit nur 720 Zeilen entstehen hier keine weiteren Verluste. Dargestellt auf einem Full HD-fähigen Fernseher mit 1080 Zeilen beginnt allerdings dir Rechnerei. So müssen aus 720 Zeilen 1080 Zeilen errechnet werden, was bedeutet, dass jede dritte Zeile ergänzt (erraten) werden muss (720 / 2 + 720 = 1080). Da das Bild aber homogen aufgebaut sein soll, führt dies dazu, dass alle Zeilen neu berechnet werden müssen. Das gleiche geschieht in horizontaler Ebene, hier müssen aus 1280 Punkten 1920 erzeugt werden. Was dabei rauskommt ist Matsch und schlechter als das Ergebnis auf einem 720-Zeilen-Bildschirm.

Halten wir uns den Übertragungsprozess noch einmal kurz vor Augen:

1080 (Akquise) --> 720 (Übertragung) --> 1080 (Darstellung)

Was für ein Blödsinn ^^ Gut, werdet ihr sagen, deshalb wollen wir ja 1080 Zeilen.

1080i50
Richtig. Zumindest fast. Bei 1080i50 muss zumindest an der räumlichen Auflösung nichts verändert werden, da 1080 Zeilen übertragen werden. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, da wir ja von Halbbildern sprechen. Also wird mit jedem Vollbild bei 50 Hz auf unserem Anzeigegerät eigentlich nur ein Halbbild dargestellt. Da dies aber streifig aussehen, zudem erheblich flackern würde und ein HD-Fernseher nur Vollbilder darstellen kann, müssen wir jedes an den Bildschirm gelieferte Halbbild mit irgend etwas auffüllen. Wir könnten den Mittelwert aus den beiden benachbarten Zeilen (oben und unten) bilden oder schauen uns die Halbbilder in der Sequenz zeitlich vor und nach dem aktuellen Bild an, dort werden wir die in unserem Bild fehlenden Zeilen finden. Anschließend können wir einen Mittelwert berechnen. In der Praxis werden oft beide Verfahren (räumlich, zeitlich) kombiniert.

Wir sehen nun, dass uns immer Bildinformationen fehlen, die wir mit hellseherischen Fähigkeiten ergänzen müssen. Das erste Verfahren wirkt sich negativ auf die räumliche und das zweite negativ auf zeitliche Auflösung aus, weshalb schnelle Bewegungen oft verwaschener als auf einer Röhre mit einem PAL-Bild dargestellt werden und den eigentlichen Vorteil von HD zunichte machen (horizontal verlaufende Laufschriften). Zugegebenermaßen beherrschen viele aktuelle Geräte das Errechnen der fehlenden Informationen schon recht gut - sie fehlen trotzdem. Zaubern kann selbst das beste Gerät nicht.

1080p50
Dieses Format ist neben PAL das einzige, bei welchem weder für die Übertragung noch für die Darstellung etwas umgerechnet werden muss. Die Bilder können echt nativ (nicht wie von einigen Sender mit 1080i50 aktuelle behauptet) dargestellt werden. Da dieses Format aber eine mindestens doppelt so große Datenübertragungskapazität benötigen würde wie 720p50 oder 1080i50 und damit auch die Übertragung doppelt so teuer wäre, wird es nicht eingesetzt. (Deshalb sind wir auch von analogem, terrestrischem Fernsehen weggekommen, digital war billiger - nicht qualitativ gleich- oder höherwertiger.)

Kinoformat mit 24 Vollbildern/s
Hier stimmt zwar oft die räumliche Auflösung, dafür ist die zeitliche mit im Kino üblichen 24 Bildern/s gegenüber 25 oder 50 Vollbildern/s denkbar ungünstig. Zur Vereinfachung werden Kinofilme im Fernsehen oft mit 25 statt nur 24 Bildern/s abgespielt, wodurch sich die Laufzeit um ca. 6 % verkürzt. Allerdings muss hier der Ton zur Beibehaltung der Tonhöhe ebenfalls neu errechnet werden.

Fazit
Wie man sieht, wird noch viel zu viel und viel zu oft umgerechnet. Aufnahmegerät, Übertragungsweg und Darstellungseinheit sind hier, anders als bei einer analogen Röhre mit PAL, alles andere als aufeinander abgestimmt, weshalb mir schlussendlich so schnell keins dieser ach so tollen "hochauflösenden" Flachmänner ins Haus kommt. Da bleibe ich doch lieber bei meiner alten Sony-Trinitron-Röhre. Technische Neuerung muss nicht automatisch Fortschritt bedeuten. Also selbst wenn ARD, ZDF und Arte im Format 1080i50 ausstrahlen sollten, wird sich dadurch zwar etwas verändern, aber nichts verbessern.